StartseiteAktuellesAm 20. März ist der Tag des Kinder- und Jugendtheaters!

Am 20. März ist der Tag des Kinder- und Jugendtheaters!

ASSITEJ Welttag 2017 Silke Schmidt WebKinder können nicht allein ins Theater gehen. Der Welttag des Theaters für Kinder und Jugendliche, den wir jedes Jahr am 20. März feiern, erinnert uns daran, dass Kinder von Erwachsenen abhängig sind, wenn sie sich kritisch mit den Künsten auseinander setzen, Theater live erleben wollen. Deshalb sagen wir: „Geh heute mit einem Kind ins Theater. Take a child to the theatre today.“
Theater findet an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit statt. Es ist per se flüchtig und an den Moment gebunden, in dem eine unsichtbare Beziehung entsteht, die das Herz öffnet, Empathie sät und Neugier nährt. Diese Beziehung und dieser Augenblick können das Leben eines Menschen, seine Entwicklung und seine Zukunft verändern. Sich mit dem Theater in dieser Weise zu verbinden, es so wahrzunehmen und wertzuschätzen, erfordert auch etwas vom Publikum. Es geht nicht um passives Rezipieren. Es ist eine Aktivität, die Aufmerksamkeit, Engagement, Offenheit, Neugier und kritisches Denken verlangt. Es fordert vollständige Hingabe – nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf physischer, emotionaler und – einige würden es so nennen – spiritueller Ebene. Wenn diese Art der Hingabe passiert, dann werden alle Sinne angesprochen und der Theaterbesuch ist eine wichtige, eindrückliche und Erfahrung, die verändert.
Viele Eltern verstehen den Wert des Lesens, egal ob sie selbst Leser*innen sind oder nicht. Sie verstehen, dass es eine Funktion erfüllt und eine Art Reisepass durch die reale Welt hin zu neuen Orten für Kinder und Jugendliche sein kann. Sie verstehen, dass die Lesefähigkeit nicht einfach da ist, sondern dass es anfangs fordernd und frustrierend sein kann. Dennoch ist es ein Schlüssel, der Kindern und Jugendlichen die ganze Welt eröffnet, denn ein Gedanke aus einem Buch kann dem ganzen Leben eine Richtung geben…. Eltern geben sich viel Mühe, das richtige Buch zu finden, das die Phantasie ihre Kindes anspricht und es motiviert, Lesen zu lernen. Warum ist Theater nicht in gleicher Weise anerkannt wie das Lesen?
Man sollte Theater nicht nach einem enttäuschenden Theaterbesuch aufgeben. Man sollte Theater nicht in eine bestimmte Form pressen oder einem bestimmten Thema unterordnen. Theater kann harte Arbeit sein, auch frustrierend, unterhaltsam und bezaubernd. Leser*innen des Theaters brauchen Zeit, um alle Ebenen der theatralen Zeichensysteme, die gezeigten Gefühle und Bedeutungen zu durchschauen. Aber Theater – als Destillat von Erfahrung – erlaubt dem Publikum, etwas wirklich Neues zu sehen, mit anderen Augen, auf eine andere Art und Weise. Objekte, Personen, Beziehungen, Zeichen können neu entdeckt und von den Zuschauern selbst interpretiert werden.
Theater ist für Kinder eine einmalige Erfahrung der individuellen Bedeutungszuschreibung, die eine kenntnisreiche Hingabe verlangt, die an Komplexität gewinnt, je öfter Kinder und Jugendliche ein Stück auf der Bühne sehen.
Die Idee einer Theaterkompetenz, die einer Alphabetisierung gleicht, ist nur so dahergesagt. Theater ist ein wichtiges, universelles Fenster zur Welt und ihrer Deutung. Und wie dringend diese Fähigkeiten gebraucht werden, zeigt sich in einer Welt, die Kindern keine Rechte zugesteht, sie in Armut aufwachsen und zu Opfern von Kriegen und Flucht werden lässt. Wir haben eine kollektive Verantwortung für diese Kinder.
Die Herausforderung für Künstler*innen und Aktivist*innen ist es, dass wir allen Erwachsenen, in deren Macht es steht, einem Kind einen Theaterbesuch zu ermöglichen, vermitteln, dass sie damit Verantwortung übernehmen und dass sie die theatrale Alphabetisierung der Kinder ebenso wichtig ist wie der Kampf dafür, dass alle Kinder lesen und schreiben lernen.
#Takeachildtothetheatretoday
 
Yvette Hardie
Präsidentinder ASSITEJ International