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Verleihung der Karl-Bröger-Medallie an das Gostner Hoftheater

IMG 1562 1hpAm 09.03.2017 bekam das Gostner Hoftheater von der Karl-Bröger-Gesellschaft die Karl-Bröger-Medallie 2017 verliehen. Die Preisverleihung enthielt unter anderem: Grußworte von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und Fitzgerald Kusz, Laudatio von Bernd Regenauer, der Gostner Hofschauspieler Thomas Witte las & spielte 3 kurze Szenen aus „Das wars!“ von Fitzgerald Kusz, Gisela Hoffmann/Gerhard Kohler-Hoffmann samt Gostner Team: Kurzer Rückblick auf 38 Jahre Theater und mehr, Musikalisches Rahmenprogramm mit Vadim & Lena Samarsky (Akkordeon/Violine).
Wir freuen uns, Ihnen hier die Grußworte von Fitzgerald Kusz (Karl-Bröger-Medallienpreisträger 2016) und des Kabarettisten Sigi Zimmerschied präsentieren zu können:


fitzgerald kusz
Grußwort
Sein oder Nichtsein – das ist natürlich keine Frage, wenn man sich entschieden hat, ein Theater zu leiten. Da gibt es kein Entweder-Oder, keine Kompromisse, da heißt es aufgeben oder durchhalten. Und das schon seit 1979! Das grenzt wahrscheinlich an Selbstausbeutung.
Die  dazu nötige Energie, die den Laden am Laufen hält, heißt Theater. Mit anderen Worten: Grenzenloser Idealismus und Begeisterung.
1979 bis 2017, das sind nach Adam Riese 38 Jahre. Das ist ein großes Stück Theatergeschichte mit allen ihren Wellen. Mit Alf Poss´ absurdem Stück „Wie ein Auto funktiert“ ging´s los. Manchmal diktierte der Zeitgeist den Spielplan. Da gab es Woody Allen´s „Vorsicht Trinkwasser“ oder Sybille Bergs „Hund, Frau, Mann“. Hin und wieder nicht nur der Abwechslung halber setzte man auf einen Klassiker: zum Beispiel auf Strindbergs „Totentanz“ oder auf einen Klassiker der Moderne wie Heiner Müllers „Quartett“.
Allein aus den in diesen 38 Jahren gespielten Titeln, ließe sich eine Textcollage zusammenstellen. Daraus könnte man ein postdramatisches Dada-Stück machen: „Das blaue, blaue Meer…Gegen die Wand...Im Auge der Seekuh…Wenn in China ein Sack Reis umfällt…Quo vadis Gostenhof?...Invasion!“ Und so weiter und so fort…
Kurz und gut: Was wäre die Nürnberger Szene ohne Euch? Auf jeden Fall wäre sie ziemlich arm dran. Dann hätten wir nur das große Flaggschiff des Staatstheaters. Keinen Off-Broadway, der ja schon immer das Salz in der Theatersuppe war.
Sein oder Nichtsein - ob´s edler im Gemüt  – was soll die Frage! Die überlassen wir Hamlet.
Liebe Gisela, lieber Gerhard, liebes Gostner-Team! Weitermachen ist angesagt! Vielleicht hilft Euch die Bröger-Medaille ä weng dabei. Ihr hab sie Euch verdient!


Sigi Zimmerschied
Grußwort

Liebe Festgäste.
 
Tief empfundene Glückwünsche.
Und das flussaufwärts.
Von Passau nach Nürnberg.
Also gegen den Strom.
Eine erste unserer vielen verbindenden Gemeinsamkeiten.
 
Ich gratuliere in mehrerlei Funktionen.
Zum einen als Geburtshelfer.
Noch bevor ich in München meine Karriere begann haben mich Reinhard und Gisela Schiller nach Nürnberg geholt, in die Hintere Cramersgasse, einem zum Kulturmodell umbenannten Geräteschuppen, das nach dreißig Jahren noch genau so aussah wie am ersten Tag und in dem am Ende die Disteln durch die Teppiche wuchsen.
Da begann ich zum ersten mal zu ahnen, was fränkische Hartnäckigkeit bedeutet.
Und sie fassten wohl Mut das "Gostner" anzugehen, als sie erkannten, dass es sogar außerhalb Frankens noch Volksstämme gibt, die diese Eigenschaft zu schätzen wissen.
 
Zum zweiten als Freund des Hauses und Bewunderer dieser ungebrochenen Energie.
Wer Gisela Hofmann über Spielpläne reden hört oder sie beobachtet, wie sie immer wieder neue Ensembles um ihre großartige schauspielerische Allzweckwaffe Thomas Witte herum schuf, der bekommt wieder Mut, wenn er sich um die Zukunft freier Bühnen sorgt.
Und wer Gerhard Kohler jemals ein Bühne auf- und abbauen sah, begleitet von einem wilden Streitgespräch mit sich selbst, der bekommt sowieso immer wieder ein wohliges Gefühl für die Unsterblichkeit des Theaters.
Ein Art fränkische Unermüdlichkeit beseelt die beiden und sie damit den Rest.
Dann wird diese kleine Hinterhofwelt ganz groß.
Dazu will ich ihnen mit meinem ganzen altbayerischen Herzen gratulieren.
Zwischen uns ist ganz langsam, und die niederbayerischen und die fränkischen Tempodefinitionen sind in etwa gleich, zunächst Bewunderung, dann Partnerschaft und zuletzt Freundschaft gewachsen.
Danke für eure Herzlichkeit und Wesensverwandtschaft.
 
Aber ich will auch drittens der Jury gratulieren.
Neben den Wiederaufstiegen des Clubs und der seltensten Möglichkeit in Nürnberg nach 22 Uhr noch etwas zu essen zu bekommen gehören richtige Juryentscheidungen zu den raren Glücksmomenten unseres Lebens.
Dieser Jury ist eine gelungen.
Ich weiß nicht wie, aber sie weiß es wahrscheinlich auch nicht.
Nennen wir es Intuition.
Egal.
Es war ein Volltreffer.
 
Also lasst es krachen.
Und es darf ruhig ein bisschen mehr sein als die überschaubare Palette, welche die Loft-Speisenkarte über ein gutes Vierteljahrhundert auszeichnet.
Schinkenbaguette, Käsebaguette, Schinkenkäsebaguette und eine Schale Oliven.
Auch das ist Kontinuität.
Aber heute habt ihr euch alle Köstlichkeiten dieser Welt verdient.
 
Ich im Geiste mitschlemmend
Euer "Sigggi ".


Wir bedanken uns bei Freunden, Förderern, Unterstützern, dem Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und der Karl-Bröger-Gesellschaft für den gelungenen Abend!
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