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Kritik: pulk fiktion/Köln: "Trollwut"

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Das Kölner Produktionsteam „pulk fiktion“ legt mit seinem Diskursmusical „Trollwut“ in den Kammerspielen des Nürnberger Staatstheaters eine äußerst schräge Performance hin.

Vier komische Menschen in bunten, haarigen Trollkostümen, die uns sagen, dass unsere Welt untergehen wird.
Hä, was wird das jetzt? Sie wollen uns mit auf eine Reise durch das Internet nehmen und uns etwas sagen. Das erste klappt, das zweite nicht.

Sie gehen mit verschieden Ansätzen an ihre Auffassung der digitalen Welt heran – und verheddern sich dabei im Versuch dem Publikum eine Message zu überbringen scheinbar ganz schön. In einem Moment predigen sie über ihre technologische Abstinenz, im nächsten wird sich gegenseitig beschuldigt, sich mit Absicht jeglichen Informationen entzogenen zu haben. Im Hintergrund stehen dabei stets die technischen Mittel des Bühnenbilds, wie den aufgetürmten Lautsprechern, zu deren digitalen Musik reichlich gesungen wird.

Die Spielenden setzen bei ihrer Performance auf gewollt unangenehme Unbeholfenheit, die ihre Geschichten zu der Digitalisierung und ihrer Auswirkung auf gesellschaftliches Engagement stets begleitet. Da kommt es auch mal vor, dass sie sich selbst nicht ganz ernst nehmen und beispielsweise zu essen anfangen.

Im Dialog mit Einspielungen von Kinderantworten aus vorproduzierten Interviews, wird den jüngeren Generationen und damit dem jungen Publikum Orientierungslosigkeit und Passivität in politischen Angelegenheiten vorgeworfen. Irgendwann wird allerdings klar: Die Ahnungslosen, das sind die Trolle. Während sie zu Beginn noch die Zuschauenden mit Mikros belästigt haben, etwas zu sagen, steht am Ende doch eine Aussage der Fabelwesen fest: wir sind gegen Meinungszwang.

Unterstützt durch gesangliche Einlagen, wollen sie den Jugendlichen mitteilen, dass sie als Reisende in der neuen Welt nicht zurechtkommen und überlassen den „Natives“ den Umgang mit den neuen Medien – dabei stets ermutigend und mit einer guten Note Optimismus.

Von Nabil Iftekhar, Willstätter Gymnasium Nürnberg