StartseiteKulturrucksackProjekteAuszüge aus dem Evaluationsbericht "1. Nürnberger KulturRucksack" der FAU Erlangen-Nürnberg

Auszüge aus dem Evaluationsbericht "1. Nürnberger KulturRucksack" der FAU Erlangen-Nürnberg

Durchführung: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg – Institut für Pädagogik

„Deutschland verfügt über eine einmalige und vielfältige Kulturlandschaft“. Dieser Satz entstammt dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission zum Thema „Kultur in Deutschland“ und beschreibt einerseits die Vielfalt der deutschen Kulturlandschaft und birgt andererseits auch einen Widerspruch in sich.
Denn obwohl in Deutschland sehr viel Wert auf die freie Entfaltung der Kultur gelegt wird, haben viele Menschen keinen Zugang zu diesen Einrichtungen. Viele dieser Institutionen, wie Museen, Theater, oder die Oper, die auch durch den Nürnberger KulturRucksack besucht werden, stammen aus der Hochkultur.
Da beispielsweise der Gang zur Oper oder der Besuch eines Museums oftmals einen kodierten Habitus erfordert, der vom intellektuellen Bildungsbürgertums gepflegt wird, kommt es für Menschen aus sozial benachteiligten Schichten nicht selten zu Berührungsängsten mit diesen hochkulturellen Einrichtungen. So scheitert speziell Kultur für Kinder oft schon an erschwertem Zugang und Schwellenängsten seitens der Eltern aber auch Lehrer.
Mit dem Projekt des Nürnberger KulturRucksacks – angelehnt an das norwegische Kulturvermittungsprogramm, dass im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde - wird versucht dem Abhilfe zu leisten.
Das Kulturprogramm (z.B. Musik, Theater, Tanz und Museum) beinhaltet immer eine pädagogische Vor- oder Nachbereitung (pro Schuljahr vier Angebote im kulturellen und vier im pädagogischen Bereich).
Ziel ist es professionelle Kunst unterschiedlicher Sparten für Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten frühzeitig zugänglich zu machen und an kulturelle und qualitative Genüsse heranzuführen. In Nürnberg wurde 2009/10 der KulturRucksack für Grundschüler durch das Theater Mummpitz und 2010/11 für Mittelschüler durch das Gostner Hoftheater eingeführt.
Für Grundschulen:
Im Schuljahr 2009/2010 nahmen 5 Schulen mit 17 Klassen mit insgesamt 372 Schülern teil, 2013/14 sind es schon 17 Schulen mit 63 Klassen und 1.276 Schülern.
Für Mittelschulen:
Im Schuljahr 2010/11 nahmen 2 Schulen mit 6 Klassen und 150 Schülern teil, 2013/14 sind es 5 Schulen mit 26 Klassen und 546 Schülern.
Anzumerken ist hierbei, dass die Zahl der teilnehmenden Klassen seit dem Beginn des Projekts stetig angestiegen ist und sich bisher noch jede Schule dafür entschieden hat weiterhin am KulturRucksack zu partizipieren. (Siehe auch angehängte Graphiken)

Evaluierung

An der Evaluation nahmen 6 Grundschulen und 3 Mittelschulen aus unterschiedlichen Stadtbezirken Nürnbergs teil. Befragt wurden insgesamt 38 Personen, darunter:

-        8 DirektorInnen der Grundschulen

-        24 Lehrkräfte der Grundschulen und

-        6 Lehrkräfte der Mittelschulen

Befragung der Lehrkräfte von Grund- und Mittelschulen

Im Folgenden werden die positiven Einschätzungen zusammengefügt, die sowohl von den Lehrkräften der Grundschulen als auch von den LehrerInnen der Mittelschulen angesprochen wurden. Aussagen, die explizit nur von Lehrkräften einer der beiden Schulformen getroffen wurden, sind noch einmal gesondert mit „Grundschule“ oder „Mittelschule“ aufgeführt.

Positives Feedback

  • Förderung von Soft Skills; Alternative zu populären Medien
  • Geschätzt wird die Partizipation der Schüler, die im Rahmen der Workshops selbst aktiv werden (eigene Kunstwerke schaffen, Choreographien erlernen etc.)
  • Entfaltung der Kreativität in verschiedenen Bereichen (Basteln, Malen, Tanzen, Musizieren, Schauspielen)
  • Schüler lernen Verhaltensregeln im Theater
  • Erweiterung des Horizonts
  • Aufgrund des bildungsfernen Hintergrunds vieler Schüler ist der KulturRucksack besonders wichtig
  • Lehrer erhalten einen Überblick über kulturelle Felder, neue Ideen und Erfahrungsräume, was nicht nur der eigenen Lehrtätigkeit zugutekommt, sondern auch den nachfolgenden Klassen
  • Verbindliche und verpflichtende Teilnahme aller Klassen
  • Programm ansprechend für Kinder sowie Lehrer
  • Nachhaltigkeit: KulturRucksack bleibt den Kindern als Höhepunkt des Schuljahres in Erinnerung, weshalb sie diese Angebote auch Jahre später noch gerne selbst wahrnehmen
  • Ein Viertel der Lehrer erwähnte die besondere Kompetenz der Pädagogen, die gut auf die Kinder eingehen würden
  • Die Hälfte der Lehrpersonen hält den KulturRucksack für lehrplankompatibel, obwohl sich dieser nicht explizit am Lehrplan orientieren würde
  • Das Interesse an schuleigenen AGs (z.B. Theater AGs, Schulorchester, Kunst AGs etc.) wird gefördert

Positives Feedback - Grundschule

  • Als externer Lernort schafft der KulturRucksack Abwechslung von der üblichen Lernumgebung und Lehrperson; Das Wissen über Kunst und Kultur wird auf eine andere Weise gelehrt
  • Erweiterte Form des Wissenserwerbs für Schüler sowie auch für Lehrer; Sensibilisierung des Sprachgebrauchs
  • Schüler erhalten Impulse und Anregungen zur Gestaltung ihres Alltags

 

Negatives Feedback - Grundschule

  • Bei der Organisation und Kommunikation gab es teilweise Unstimmigkeiten mit den Kulturanbietern
  • Ein Fünftel der Lehrkräfte empfand eine zeitliche Einschränkung ihrer Pflichten bezüglich des Einhaltens des Lehrplans durch die Teilnahme am KulturRucksack

Positives Feedback - Mittelschule

  • Durch regelmäßigen „Kulturkonsum' tritt eine Art Gewöhnung ein, die Schüler bekommen „Hunger auf mehr“
  • Das Ballett im Opernhaus wurde überaus positiv aufgenommen.
  • Positive Auswirkungen des Kulturangebots und der Workshops auf die Schüler: Stärkung des Selbstvertrauens, Persönlichkeitsentfaltung, Vorbereitung auf das Berufsleben, Aufgeschlossenheit
  • Ohne das günstige KulturRucksack-Angebot wäre es nicht möglich, so viele verschiedene Veranstaltungen zu besuchen
  • Die LehrerInnen befürworten nicht nur eine Fortführung, sondern eine Ausweitung des Projekts
  • Nicht nur passives, sondern auch aktives Kulturpartizipieren. Durch das Heranführen an die Kultur besteht Interesse an der Arbeit in einer Kultureinrichtung

Negatives Feedback - Mittelschule

  • Im Museum wurde ein Defizit zwischen dem Besuch und der dazugehörigen pädagogischen Begleitung konstatiert



Fazit
•    Allgemeine Zufriedenheit bei DirektorInnen, Grund- und Mittelschullehrkräften
•    Zuspruch von Mehrheit der Lehrer und DirektorInnen: Kinder werden erfolgreich an Kultur herangeführt und hierfür begeistert
•    Durch das Projekt wird sozialer und bildungspolitischer Ungerechtigkeit entgegengewirkt
•    Schwellenängste werden abgebaut und Schüler erfahren eine Horizonterweiterung
•    Komplexe Thematiken in Theater und Tanztheater seien einerseits zu anspruchsvoll für  Kinder, würden diese andererseits aber auch besonders fördern
•    Eine Fortführung des Projekts wird von allen Beteiligten ausdrücklich befürwortet

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